KliTek: Funktionsweise und Innovationen dieser Technologie - Polyfab3D

Das neue KliTek-System wurde kürzlich von Creality vorgestellt. Hier erfahren Sie alles, was Sie über diese als revolutionär angekündigte Technologie wissen müssen.

Seit mehreren Jahren entwickeln sich Mehrfarben- und Multimaterial-Systeme rasant weiter. Trotz aller Fortschritte bleibt jedoch ein Problem nahezu universell bestehen: der Materialverlust, der bei Materialwechseln entsteht. Genau hier möchte KliTek einen neuen Ansatz bieten.

Als neue Generation eines automatischen Wechselsystems vorgestellt, soll KliTek nicht nur den Übergang zwischen verschiedenen Materialien beschleunigen. Das Ziel ist deutlich ambitionierter: die Art und Weise, wie diese Wechsel durchgeführt werden, grundlegend neu zu denken, um Materialverluste zu reduzieren, die Effizienz zu steigern und neue Anwendungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Werfen wir einen genaueren Blick auf diese Technologie, die einen bedeutenden Wendepunkt in der additiven Fertigung markieren könnte.

KliTek_ Die Technologie, die den Umgang mit Multimaterial-Anwendungen verändern könnte

Warum Materialwechsel weiterhin eine große Herausforderung darstellen

Wenn ein System mehrere Farben oder Materialien verwendet, kommt bei jedem Wechsel ein unvermeidlicher Schritt hinzu: das Purging.

Dabei wird das zuvor verwendete Material aus dem System entfernt, um Verunreinigungen zwischen unterschiedlichen Farben oder Werkstoffen zu vermeiden.

Das Prinzip ist einfach, doch die Auswirkungen sind oft erheblich:

  • – höherer Materialverbrauch;
  • – längere Produktionszeiten;
  • – teilweise erhebliche Abfallmengen;
  • – zusätzlicher Verschleiß der Komponenten.

Bei manchen komplexen Projekten mit mehreren hundert Materialwechseln kann die Menge des verworfenen Materials sogar größer sein als die Menge, die tatsächlich für das Bauteil verwendet wird.

Abfall durch Spülvorgänge beim mehrfarbigen 3D-Druck reduzieren

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Diese Realität wird heute weitgehend als unvermeidbare technische Einschränkung akzeptiert. KliTek verfolgt jedoch einen grundlegend anderen Ansatz.

KliTek: Ein Ansatz, der die Spielregeln verändert

Im Gegensatz zu herkömmlichen Multimaterial-Systemen, bei denen mehrere Materialien durch dieselbe Düse geführt werden, verfolgt KliTek einen anderen Ansatz: Jedes Material verfügt über ein eigenes, dediziertes Modul.

Beim Materialwechsel wird nicht der gesamte Druckkopf ausgetauscht, wie es bei manchen Tool-Changer-Systemen der Fall ist. Stattdessen wird lediglich das Hotend- und Düsenmodul gewechselt. Diese Architektur hält die bewegte Masse gering und reduziert gleichzeitig den Bedarf an Purging erheblich.

Indem jedes Material über einen eigenen Materialpfad verfügt, minimiert KliTek das Risiko von Verunreinigungen zwischen Farben oder Werkstoffen und beschleunigt die Wechselvorgänge. Diese innovative Philosophie zielt darauf ab, die Effizienz von Multimaterial-Anwendungen zu steigern und gleichzeitig die Vorteile eines leichten und schnellen Systems zu erhalten.

KliTek Technologie

Dieser Ansatz bietet mehrere unmittelbare Vorteile:

  • – drastisch reduziertes Purging;
  • – schnellere Wechselvorgänge;
  • – bessere Kontrolle über die Materialien;
  • – weniger Materialabfall.

Auf dem Papier klingt das offensichtlich. Doch einen solchen Wechsel schnell, präzise und wiederholbar durchzuführen, stellt eine echte ingenieurtechnische Herausforderung dar.

Ein Wechsel in weniger als fünf Sekunden mit KliTek

Eine der meistdiskutierten Angaben betrifft die Wechselgeschwindigkeit.

Den veröffentlichten Informationen zufolge könnte der Austausch eines vollständigen Moduls in weniger als fünf Sekunden erfolgen.

Sollte diese Leistung unter realen Bedingungen bestätigt werden, wäre dies ein bedeutender Fortschritt.

In Umgebungen mit zahlreichen Materialwechseln können wenige Sekunden pro Wechsel schnell mehrere Stunden Zeitersparnis bei komplexen Fertigungsprojekten bedeuten.

Natürlich werden unabhängige Tests notwendig sein, um zu überprüfen, ob diese Leistung auch über Hunderte oder Tausende von Wechselzyklen hinweg konstant bleibt.

Die eigentliche Herausforderung: Abfall reduzieren

Die Geschwindigkeit ist beeindruckend, aber wahrscheinlich nicht der wichtigste Aspekt von KliTek.

Der größte Vorteil könnte in der massiven Reduzierung von Materialverlusten liegen.

Heute entstehen bei mehrfarbigen Fertigungsprozessen häufig große Mengen an Abfall in Form von Purge-Türmen oder Reinigungsblöcken. Dank einer Architektur mit unabhängigen Modulen könnten diese Verluste deutlich reduziert werden.

Für Anwender, die regelmäßig komplexe Projekte realisieren, könnten die langfristigen Einsparungen besonders interessant sein.

Diese Abfallreduzierung ist wahrscheinlich eines der überzeugendsten Argumente für das KliTek-Konzept.

KliTek und flexible Materialien: Ein besonders vielversprechender Ansatz

Unter den verschiedenen vorgestellten Anwendungsszenarien taucht ein Thema immer wieder auf: flexible Materialien.

KliTek & TPU

Flexible Materialien stellen aufgrund ihrer Neigung zur Kompression und Verformung während der Förderung seit jeher eine technische Herausforderung dar. Um dieses Problem zu lösen, setzt KliTek auf ein neuartiges Fördersystem, das zwei synchronisierte Antriebsmechanismen kombiniert: Einer zieht das Material, während ein zweiter es von hinten unterstützt.

Dieser Ansatz sorgt für einen deutlich gleichmäßigeren Materialtransport und reduziert das Risiko von Verstopfungen oder Extrusionsschwankungen erheblich.

Dank dieser Architektur kann KliTek extrem weiche Materialien bis zu einer Shore-Härte von 80A verarbeiten und dabei deutlich höhere Durchflussraten als aktuelle Standards erreichen. Diese Entwicklung könnte neue Möglichkeiten für technische Bauteile, Dämpfungselemente oder Komponenten mit unterschiedlichen Flexibilitätsstufen eröffnen.

Mehrere Düsendurchmesser in einem einzigen Fertigungsprozess mit KliTek?

Eine der am wenigsten kommunizierten Funktionen könnte gleichzeitig eine der interessantesten sein. Dank seiner unabhängigen Module ermöglicht KliTek theoretisch die Verwendung verschiedener Düsendurchmesser innerhalb derselben Fertigung.

Warum ist das wichtig? Weil ein großer Teil der Produktionszeit für Bereiche aufgewendet wird, in denen höchste Präzision nicht zwingend erforderlich ist.

Ein größerer Düsendurchmesser kann bestimmte Arbeitsschritte erheblich beschleunigen. Sichtbare Oberflächen oder feine Details können hingegen weiterhin von einem kleineren Düsendurchmesser profitieren.

Diese Kombination könnte einen ausgezeichneten Kompromiss zwischen Oberflächenqualität und Fertigungsgeschwindigkeit bieten.

KliTek Düsendurchmesser

Präzision: Eine oft unterschätzte Herausforderung

Ein Modul schnell auszutauschen ist das eine. Es anschließend mit perfekter Genauigkeit neu zu positionieren, ist etwas völlig anderes. Schon eine Abweichung von wenigen Dutzend Mikrometern kann bei komplexen Bauteilen sichtbar werden.

Deshalb gehört die Wiederholgenauigkeit der Positionierung wahrscheinlich zu den kritischsten Aspekten von KliTek. Jeder Wechsel muss exakt dieselbe Position ohne Versatz wiederherstellen.

Creality gibt hierfür eine XYZ-Neupositionierungsgenauigkeit von unter 25 Mikrometern an. Dies stellt eine besonders anspruchsvolle mechanische Herausforderung dar, die umfangreiche Praxistests erfordern wird.

Die Fragen, die noch offen bleiben

Trotz der bereits verfügbaren Informationen bleiben einige Unsicherheiten bestehen.

Zu den häufigsten Fragen gehören:

  • – Wie hoch werden die Kosten zusätzlicher Module sein?
  • – Wie lange wird ihre tatsächliche Lebensdauer sein?
  • – Welche Wartungsarbeiten werden erforderlich sein?
  • – Wie viele Module können gleichzeitig verwendet werden?
  • – Welche möglichen Softwareeinschränkungen wird es geben?

Diese Fragen sind wichtig, da sie maßgeblich über die tatsächliche Verbreitung der Technologie entscheiden werden. Eine Innovation kann technisch brillant sein und dennoch eine Nischenlösung bleiben, wenn Kosten oder Komplexität zu hoch ausfallen.

KliTek im Hinblick auf die Erwartungen des Marktes

Das aktuelle Marktumfeld ist besonders günstig für das Aufkommen neuer Ansätze. Anwender suchen heute nach mehr als nur Geschwindigkeit.

Abfallreduzierung, Vielseitigkeit und Gesamteffizienz gewinnen zunehmend an Bedeutung bei Kaufentscheidungen. KliTek scheint genau mehrere dieser Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen.

Diese Fähigkeit, mehrere Herausforderungen mit einer einzigen Innovation zu lösen, erklärt einen großen Teil des aktuellen Interesses an der Technologie.

Evolution oder Revolution?

Diese Frage ist berechtigt. KliTek führt nicht einfach nur eine neue Komponente oder eine schrittweise Verbesserung ein.

Die Technologie stellt eines der grundlegenden Funktionsprinzipien heutiger Multimaterial-Systeme infrage.

Sollten die Versprechen eingehalten werden, könnte die Wirkung mit anderen bedeutenden Innovationen der letzten Jahre im Bereich der additiven Fertigung vergleichbar sein, etwa mit dem Vortek-System von Bambu Lab oder dem SnapSwap-System des Snapmaker U1.

Fazit: Warum KliTek unsere volle Aufmerksamkeit verdient

Unter den jüngst angekündigten Innovationen gehört KliTek zweifellos zu den spannendsten.

Die Philosophie dahinter basiert auf einer einfachen, aber potenziell äußerst effektiven Idee: das Konzept des systematischen Purgings durch einen echten Wechsel dedizierter Module zu ersetzen.

Die potenziellen Vorteile sind zahlreich:

  • – weniger Abfall;
  • – Zeitersparnis;
  • – bessere Verarbeitung flexibler Materialien;
  • – die Möglichkeit, verschiedene Düsendurchmesser zu verwenden;
  • – eine insgesamt höhere Effizienz.

Natürlich bleiben noch einige Unbekannte bestehen, und erst umfassende Praxistests werden zeigen, wie leistungsfähig das System tatsächlich ist.

Eines steht jedoch bereits fest: KliTek bietet eine neue Perspektive auf Multimaterial-Anwendungen und könnte die Entwicklung zukünftiger automatisierter Fertigungslösungen nachhaltig beeinflussen.

Allein aus diesem Grund verdient diese Technologie in den kommenden Monaten besondere Aufmerksamkeit.

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